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NordNordNord | December 17, 2018

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Mit dem Zug durch Skandinavien – Eine Winterreise Teil 2

Mit dem Zug durch Skandinavien – Eine Winterreise Teil 2
Christian
  • On 30. Dezember 2013
  • http://www.nordnordnord.de

Heute geht es auf Richtung Norwegen. Von Göteborg aus fahren wir los. Hier haben wir die letzten 2 Tage verbracht. Unser Zug ist pünktlich und modern und ehe wir uns versehen geht die Reise auch schon weiter.

Noch in Schweden ist unser nächster Halt Trollhättan. Ich stelle mir Manhattan mit einer Vielzahl trollartiger Einwohner vor, werde aber enttäuscht, als hier ganz normale Menschen in den Zug zusteigen. Keine Trolle, kein Manhattan, Trollhättan halt. Die Landschaft ausserhalb unseres Zugfensters ist schneebedeckt, eine schöne Winterlandschaft.

Uns gegenüber im Zug sitzt eine ältere Dame. Ich wundere mich, das sie die Leute in den schwarzen Jacken und dem Schäferhund zu kennen scheint, die mit ihr reden, bis sich einer dieser Leute zu uns umdreht und nach unseren Pässen fragt. Auf norwegisch. Grenzkontrolle. Im Zug. Das hatte ich nicht auf dem Schirm. Die Leute sind vom Zoll und als der nette Zollbeamte uns als deutsche Reisende identifiziert fängt er an mit uns auf deutsch zu plaudern. Er hat es in der Schule gelernt (wie viele Skandinavier) und freut sich, es mal wieder etwas zu „benutzen“. Wo die Reise denn hinginge und was wir in unserem Urlaub so vorhaben, und ob wir schonmal da waren. Die Frage nach alkoholischen Getränken erübrigt sich, als er unser nicht allzu voluminöses Reisegepäck sieht. Freundlich verabschiedet er sich von uns als seine Kollegen den Waggon wechseln und er hinterher muss. Dieser Norweger war auf jeden Fall der netteste Zollbeamte, dem ich bisher begegnet bin.

Einige Zeit später steigen wir in Oslo um, in den Zug der uns nach Lillehammer bringen wird. In Oslo selbst gucken wir uns diesmal nichts an, da unser Anschlusszug schon  20 Minuten nach unserer Ankunft abrollt. Durch langsam immer hügeliger werdende Landschaft fahren wir Richtung Norden. Draussen ist es mittlerweile dunkel geworden. Die kleinen Häuser und Hütten leuchten aus der Schneelandschaft heraus und wir gleiten fast lautlos (zumindest IM Zug) durch Norwegen.

Lillehammer am Abend ©NordNordNord

Lillehammer am Abend ©NordNordNord

In Lillehammer ist es noch verschneiter als bisher. Die Bewohner der einstigen Olympiastadt kommen auf Schlitten an uns vorbeigefahren. Ja, ganz im Ernst, der Schlitten ist als Fortbewegungsmittel häufig anzutreffen.

Der Schlitten ist ein beliebtes Fortbewegungsmittel bei Jung und Alt

Der Schlitten ist ein beliebtes Fortbewegungsmittel bei Jung und Alt ©NordNordNord

 

Der Ortskern ist idyllisch. Wir gehen jedoch uns direkt ins Hotel, was nur 5 Minuten vom Bahnhof entfernt ist.

Die Neigetechnik der norwegischen Züge hat uns durch den Tag geschaukelt, und wir sind froh ein komfortables Zimmer vorzufinden.

Bevor wir am nächsten Tag die Ski-Sprung Schanze erklimmen (hier gibt es dazu einen eigenen Blogeintrag), müssen wir uns um unsere Zugtickets für die Weiterfahrt kümmern. Denn trotz Interrail-Tickets muss man in Norwegen in den Zügen eine Sitzplatzreservierung machen. Ohne geht‘s nicht. Oftmals kann man in den Kiosken an den Bahnhöfen Tickets kaufen und Reservierungen in Auftrag geben, hier in Lillehammer ist es aber anders. Es gibt ein Telefon. Wie früher bei uns, bevor Handys die Kommunikation an sich gerissen haben, einen Münzfernsprecher.

Tickethotline am Bahnhof

Tickethotline am Bahnhof ©NordNordNord

 

Dort gibt es eine Hotline die man anrufen soll um sich einen Platz zu reservieren, und dann kann man im Kiosk das Ticket abholen. Lustig ist das schon, mit dem Telefonhörer am Ohr im Bahnhof zu stehen und sich seine Platzkarte zu bestellen. Noch lustiger ist es aber, wenn der Hörer tot ist. Niemand zu erreichen. Zum Glück ist im Kiosk jemand an den wir uns wenden können. Man sagt uns wir sollen es am Abend noch mal probieren. Ob das Problem bis dahin behoben wird, oder ob es einfach besser am Abend funktioniert, das soll ein Geheimnis bleiben.

Die Fußspuren im Schnee trügen, wir sind bis zum Keine eingesackt!

Die Fußspuren im Schnee trügen, wir sind bis zum Keine eingesackt! ©NordNordNord

Wir wandern also erst einmal zur Skisprungschanze. Durch den Ort, geht es kleine Straßen den Berg hinauf. Dann wird es am Olympiapark etwas weniger was Häuser angeht, dafür gibt es etwas mehr Bäume und es wird richtig schön winterlich. Die Abkürzung über die Schneefläche erübrigt sich, als wir am Rand direkt bis zu den Knien im Schnee versinken.

Die Skisprung-Schanze in Lillehammer

Die Skisprung-Schanze in Lillehammer ©NordNordNord

Nach dem wir die Schanze erklommen und oben eine kleine Pause eingelegt haben gehen wir wieder hinunter in den Ort. Dort bummeln wir noch ein bisschen durch den Ortskern und dann ist es auch schon Zeit sich noch einmal um die Sitzplatzreservierung Gedanken zu machen.

Als wir es erneut am Telefon im Bahnhof probieren, geht die Hotline tatsächlich wieder. Wir bekommen unsere Tickets und so machen wir uns am späten Nachmittag auf, durch die kurvenreiche Berglandschaft Norwegens, mit dem Nachtzug nach Bodø.

Am Abend funktioniert das Telefon wieder

Am Abend funktioniert das Telefon wieder ©NordNordNord

Bodø liegt oberhalb des Polarkreises, wir werden also die ganze Nacht durchfahren und erst am nächste Morgen dort ankommen. Die Schlafabteile des Zuges sind für 4 Personen ausgelegt. Man weiß nicht wann und wo noch jemand zusteigt, somit ist es eine recht unruhige Nacht, denn bei jedem Halt fragt man sich ob die Schritte die man draussen auf dem Gang hört, vor der Abteiltür stehen bleiben und jemand herein kommt. Doch es kommt niemand. Wir haben das 4er Abteil ganz für uns alleine. Irgendwann schlafen wir im stark hin und her schaukelnden Zug ein. Als wir am nächsten Morgen aufwachen, sind wir kurz vor Bodø. Einige Minuten später erreichen wir den Bahnhof. Gerade noch rechtzeitig können wir uns anziehen, frisch machen und unser Gepäck zusammenpacken.

Mittelmäßig ausgeschlafen laufen wir durch die relativ karge Stadt an Norwegens Küste und suchen den Fähranleger, um hier das Schiff, dass uns zu den Lofoten bringen soll, zu besteigen. Wir finden es auch auf Anhieb.

Dumm nur, dass man uns sagt, dass die Fahrt um 11 Uhr morgens heute leider ausfällt.

Wir könnten den Katamaran um 17 Uhr nehmen. Eine frühere Alternative gibt’s leider nicht. Gut, dann bleibt uns ausser warten ja nicht viel übrig. Also verbringen wir knappe 7 Stunden in Bodø. Nachdem wir einmal auf und ab durch den Ortskern gelaufen sind, beschließen wir zu frühstücken, um die Zeit ein wenig rumzukriegen. In einer Einkaufspassage werden wir fündig. Ein nettes Café, mehr braucht man nicht. Während ich meinen Cappuccino bestelle, merke ich wie mein Gleichgewichtssinn rebelliert. Das Schaukeln des Nachtzuges macht sich tatsächlich jetzt, gut eine Stunde später bemerkbar. Mir ist schlecht. Seekrank, halt nur ohne See, vom Zug. Nachtzugkrank, sozusagen. Jana geht es nicht viel besser.

Ein paar Minuten und ein Frühstück später geht es uns allerdings wieder einigermaßen gut. Genau so schnell wie die Übelkeit kam, ging sie auch wieder weg. Ich hätte nicht gedacht, das Zugfahren so etwas auslösen kann, aber hier mit den hügeligen und kurvigen Strecken ist das durchaus möglich. Nun sitzen wir also im Café mit Blick auf Bodø. Wir lassen uns Zeit. Schließlich gilt es noch einige Stunden Wartezeit zu überbrücken.

Wir laufen noch eine Runde durch die Hafenstadt, dann beschließen wir, da wir immer noch hungrig sind, Mittagspause machen und uns zur Feier des Tages eine Pizza genehmigen sollten. Eine Pizzeria gibt es hier tatsächlich. Die Preise sind norwegisch. Die normalgroße Pizza schlägt mit guten 20 Euro zu Buche.

Noch Getränke dazu, zack die teuerste Pizza die ich bisher gegessen habe.

Irgendwann haben wir es dann geschafft. Es ist kurz vor 17 Uhr. Wir checken auf dem Schnellboot zu den Lofoten ein. In komfortablen Sesseln, mit einem Streckenverlauf auf Monitoren vor uns, ist es fast wie im Flugzeug, sogar etwas luxuriöser. Das Boot legt ab und mit hohem Tempo überqueren wir das Nordmeer. Es schaukelt ein wenig, aber nicht so stark wie der Zug es getan hat. Am Abend erreichen wir Svolvær. Die größte Stadt der Lofoten. Hier werden wir die nächsten 5 Tage verbringen.

Im Hafen von Svolvær ©NordNordNord

Im Hafen von Svolvær ©NordNordNord

Am Hafen angekommen, machen wir uns zunächst mal auf die Suche, wo unsere Ferienwohnung denn sein könnte. Wir haben einen Namen und eine Adresse. Das ist ja schonmal etwas. Da wir aber sonst keinen Anhaltspunkt haben, fragen wir im kleinen Laden am Hafen nach. Der nette Herr hinter dem Tresen erklärt uns, wie wir zu unserer Ferienwohnung kommen, diese ist gut 1,5 km entfernt. Während er erklärt, sehe ich leckere Zimtschnecken auf dem Tresen liegen und merke, das ich immer noch Hunger habe. Reisen scheint hungrig zu machen. Also Zimtschnecken gekauft, Gepäck auf die Schultern und ab durch den Ort, auf zur Ferienwohnung. Der Weg ist sogar beschildert, nicht besonders häufig, aber an den wichtigen Abzweigungen finden wir Hinweise, denen wir folgen können. Es geht verschneite Straßen hinauf, an Meeresbuchten und zugefrorenen Seen vorbei.

Die Ferienwohnungen in Svolvær ©NordNordNord

Die Ferienwohnungen in Svolvær ©NordNordNord

Nach einer guten halben Stunde erreichen wir die Ferienwohnung. Nette kleine Hütten reihen sich nebeneinander vor einer traumhaften Winterlandschaft auf. Da es bereits dunkel ist, können wir diesen Anblick zwar nur erahnen, aber am nächsten Morgen werden wir dann mit dem vollen Lofoten-Erlebnis aufwachen.

Hier geht es zu Teil 3 der Winterreise

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