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NordNordNord | November 21, 2017

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3 Comments

Im Wald der toten Autos

Im Wald der toten Autos
Christian
  • On 19. August 2013
  • http://www.nordnordnord.de

Der Autofriedhof bei Bastnäs in Schweden.

Wir fahren zum dritten Mal über die norwegisch-schwedische Grenze. Heute. Das dritte Mal in 15 Minuten.

Irgendwo soll der Waldweg anfangen. Direkt neben dem Ort Töcksfors, an der Kirche.

Jedes mal landen wir beim Abbiegen auf einer Landstrasse, mit Mittelleitplanke. Wenden ausgeschlossen. Also: Über die Grenze, dann ein paar Kilometer weiter umdrehen und das ganze noch mal. Macht auch Spaß.

Ok, macht keinen Spaß, wir sind ja schließlich heute aufgestanden um ein kleines Abenteuer zu erleben. Von Grenzerfahrung war nicht die Rede.

Also nochmals in die Notizen geguckt. Der Weg soll an der Kirche in Töcksfors abgehen. Ah, der Weg ist in der Nähe der Kirche, wieso seh ich das nicht gleich. Na gut, ich hab´s die ganze Zeit gelesen, aber irgendwie muss die Strasse vorher wohl noch nicht da gewesen sein. Schön das sie jetzt da ist. Also dann fahren wir mal gegenüber der Kirche die Strasse entlang. Nach ein paar Hundert Metern wird diese dann – wie ich zuvor im Internet gelesen hatte – zum Waldweg. Na das könnte doch klappen.

Autofriedhof in Schweden

Unser Ziel: Der Autofriedhof.
©NordNordNord.de

So beginnen 20 Minuten Waldwegerlebnis. Es schüttelt uns etwas durch, da der Waldboden mit Schlaglöchern und Unebenheiten übersät ist. Immerhin ist das Wetter heute gut, und so langsam fängt der schwedische Wald an uns zu verschlingen.

Es wird ein wenig düster, da die dichtstehenden Bäume das Licht der Sonne nur teilweise zu uns hindurchdringen lassen.

Wir nähern uns ein paar Holzhäusern. Eigentlich ganz nett, aber irgendwie einsam und verlassen. Wie in den Horrorfilmen die man so als Teenager geguckt hat. Bisschen unheimlich, aber wir sind ja im netten Schweden. Da ist es ja Gott sei Dank nicht sooo gruselig…

Links am Wegrand sehen wir es plötzlich: Das erste Autowrack. Direkt daneben Nummer zwei und drei. Verrostete, ausgeschlachtete alte Vehikel. Wir scheinen unserem Ziel näher zu kommen. Hoffentlich kommen noch ein paar. Auf den Bildern im Internet waren ja mindestens 20 Autos zu sehen. Das wäre schon schön.

Die Natur bahnt sich ihren Weg ©NordNordNord.de

Die Natur bahnt sich ihren Weg ©NordNordNord.de

Wir fahren noch etwa 100 Meter weiter, an den Gruselhäusern vorbei. Neben uns tauchen weitere Rostlauben auf. Klasse, das wird ein Foto-Fest. Wir stellen unseren, nicht ganz so rostigen, Corsa an den Wegesrand und laufen begeistert auf die verlassenen Autos zu. Der Wald ist einen Schauplatz der passender nicht sein könnte. Ich denke erneut an die Filme mit den Kettensägen und Zombies -  naja, aber hier ist´s ja schön ruhig. Erstmal die Fotoausrüstung startklar machen, und rein in die abzweigenden Waldwege an denen verschiedene alte Autos, in stark verrostetem Zustand, im Zwielicht im Gras liegen. Teilweise wachsen Bäume durch Fenster, Türen oder ganze Motorräume.

Ein Geräusch. Bedrohlich. Wir sind nicht alleine. Man hat es auf unser Blut abgesehen.

Mücken. Tausende. Und zack, piekst es schon in meiner Hand, ich beginne mich zu schlagen und ziehe mich elegant aber zügig zurück.

Aber ich bin vorbereitet. In weiser Vorraussicht haben wir vor Antritt unserer Reise wunderschöne Hüte mit Moskitonetz gekauft. Ok, wunderschön für Leute die alberne grüne Hüte im Imkerlook schön finden. Aber praktisch. Endlich brauch man die mal.

Also Hut auf und wieder rein in den Wald. Dumm, dass der Hut nicht für meine zuvor erwähnten Hände gedacht ist, also sticht es leider weiter, aber immerhin: Meinen Kopf kriegt ihr nicht!

Autofriedhof in Schweden

Die Autos stapeln sich.
©NordNordNord.de

Während ich links und rechts ein Foto nach dem anderen mache, gehe ich immer tiefer in den Wald hinein, 20 Autos war ein sehr bescheidener Wunsch. Ich schätze 200-300 Autos türmen sich auf dem Gelände. Eine Holzhütte taucht vor mir auf. Verlassen und herunter gekommen. Nee, denk ich, mit Blair Witch Project hat das überhaupt keine Ähnlichkeit, da gab´s ja keine Autos im Wald…

Gruselige Hütte am Autofriedhof ©NordNordNord.de

Gruselige Hütte am Autofriedhof ©NordNordNord.de

Aber hier: Viele schöne Autos. Jedes ein Einzelstück. Sie stapeln sich zu dreistöckigen Türmen. Manche haben noch ein Innenleben, zerfledderte Sitze, alte Lenkräder. Leider ist vieles schon aus den Autos ausgebaut worden, vielleicht schon vor 40 Jahren, vielleicht auch erst vor kurzem. Schade, ein alter Tacho wäre ein schönes Motiv gewesen, aber leider finde ich keinen.

Autofriedhof in Schweden

Jedes Auto erzählt eine Geschichte.
©NordNordNord.de

Jedes Auto löst in meinem Kopf eine kleine Geschichte aus. Obwohl hier natürlich viele Europäische Automarken, vor allem Saabs und Volvos, im Wald liegen (bzw. stehen und hängen), denke ich an amerikanische Mafiafilme. Man denk ich viel an Filme, aber egal. Die Autos erzählen ihre Geschichte. Gangstergeschichten, vielleicht. Wer weiß was in diesen Kofferräumen schon alles versteckt wurde. Noch ein Gruselfaktor. Das könnte natürlich auch an den Schusslöchern in den Autos liegen. Vielleicht waren es ja nur Steine die irgendjemand per Zwille auf die Autos Geschossen hat. Vielleicht aber auch Luftgewehre.

Aber es gibt bestimmt auch schöne Geschichten die die Autos erzählen. Von verliebten Pärchen im Autokino. Wie in Grease. Und bestimmt unzählige Familiengeschichten, von Urlauben und langen Autoreisen.

Man könnte stundenlang darüber nachdenken was diese Autos und ihre ehemaligen Besitzer wohl alles zusammen erlebt haben.

Wie Augen blicken die noch intakten Scheinwerfer einzelner Exemplare mir aus dem Wald entgegen. Wo ist eigentlich Jana? War die nicht gerade noch neben mir? Naja, kann ja nicht weit sein. Was soll auf einen uralten Autofriedhof tief im düsteren, einsamen Wald schon passieren. Jana!?

Naja, um die nervenaufreibende Stimmung die hier gerade aufkommt nicht ins unermessliche steigen zu lassen mach ich es kurz: Alles gut.

Jana steht ein paar Waldwege weiter und fotografiert im Schutze des Moskitohuts.

Autofriedhof in Schweden

Ein nettes altes Pärchen.
©NordNordNord.de

Die Speicherkarten füllen sich.Ein Motiv spannender als das andere. Wir gehen wieder Richtung Auto (also unser Auto, den Corsa) zurück. Der Weg geht noch weiter. Mal gucken was noch kommt. Oh, ein Haus, eine Wiese voller Autos, ein altes Fahrrad und ein Schild indem auf Schwedisch steht „Hier endet die offizielle Strasse“ oder so ähnlich.

Die Wiese ist überfüllt mit Autos, viele haben zebrochene Scheiben. Wir sind von der Menge der Autos schlichtweg geplättet. Und die Wiese ist auch nicht so dunkel wie der Wald. Weniger Grusel, mehr Autos.

Autofriedhof in Schweden

Mächtig was unter der Haube.
©NordNordNord.de

Wer also alte Autos mag, die sich in nicht idealem Pflegezustand befinden (in Zeitungsannoncen würde wohl „starke Gebrauchspuren“ stehen), der wird den Autofriedhof bei Bastnäs lieben.

Ganz so gruselig ist es dann auch nicht – ausser man hat eine Mückenphobie.

Die Suche hat sich gelohnt, mehr Autos als erwartet und ein schönes ruhiges Plätzchen im Wald. Ein absolutes Highlight unserer Reise durch Skandinavien.

Tipp: Einen weiteren Artikel über den Autofriedhof findet ihr bei Schweden-Urlauber.info:

www.schweden-urlauber.info/bastnaes-autofriedhof-in-schweden/ 

 

Comments

  1. Sehr schöne Bilder.
    gibt es ein ähnlicher Autofriedhof in Ryd Smaland
    Der Autofriedhof heisst Kyrkö Mosse.

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