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NordNordNord | May 25, 2018

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Handstand am Abgrund

Handstand am Abgrund
Christian
  • On 8. September 2013
  • http://www.nordnordnord.de

„So, hinter der nächsten Kurve kommt dann bestimmt die Klippe.“ Wir wandern nun schon eine Stunde und den Satz sag ich nicht zum ersten Mal. Und wieder soll er sich nicht bewahrheiten. Gut, auf den Schildern stand 2 Stunden Wanderung. Ich hab wohl überlesen, dass die Zeit pro Strecke hin und zurück gemeint war.

 

Schilder am Preikestolen

Schilder am Preikestolen: Klippenweg oder Hügelweg? ©NordNordNord.de

 

Wir sind auf dem Weg zum Preikestolen. Ein Fels der sich 604 Meter über den Lysefjord erhebt. Eine der Sehenswürdigkeiten im Rogaland in Norwegen. Ungesichert steht man dort oben über dem Fjord (wenn man denn erstmal raufgewandert ist!). Vom Parkplatz aus weisen einen Schilder den Weg. Teilweise geht es über Waldwege, dann über mit Brettern befestigte Pfade. Und dann geht es ein steiles Geröllfeld hinauf. Ich hatte eigentlich mit einem kurzen Spaziergang gerechnet, aber hier ist es dann doch etwas länger und anstrengender als erwartet. Aber von nichts kommt nichts. Wäre ja auch alles nicht so schlimm, wenn andere Leute sich diese Strecke nicht zum Joggen ausgesucht hätten. Kein Witz.

Mehrmals kommen uns Jogger entgegen oder überholen uns. Also ich find‘s zum Wandern schon anstrengend genug, aber Joggen?

 

Der Lysefjord

Der Lysefjord ©NordNordNord.de

 

100.000 Menschen sollen sich hier jährlich hinauf quälen. Nach dem Geröllfeld gibt es die Auswahl den „Klippenweg“ oder den „Hügelweg“ zu nehmen. Trotz Höhenangst entscheide ich mich für den „Klippenweg“. Der ist etwas kürzer, steht auf dem Schild. Also entlang der schroffen Felswände und nach einigen weiteren Minuten können wir das Felsplateau sehen. Bei bescheidenem Wetter thront der Fels über dem Wasser.

Wir sind natürlich nicht alleine, an der Felskante sitzt schon der ein oder andere Schwindelfreie Norwegenfan und lässt die Beine baumeln. Mir wird schon beim Zuschauen schwindelig. So nah geh ich da aber nicht ran.

Man gucken, wo man hintritt...

Man sollte gucken, wo man hintritt… ©NordNordNord.de

Wir sind mittlerweile auf dem Plateau angekommen und im Schutze der Felsen hinter mir, also an der dem Fjord abgewendeten Seite, suche ich meine Fotoausrüstung zusammen.

Hier vergesse ich, dass es ca. 20 Meter weiter vorne 604 Meter senkrecht bergab geht.

Ich beginne ein paar Bilder zu machen, auch wenn das Wetter nicht wirklich dazu einlädt.

An der Felskante stehen ein paar junge Skater und versuchen ihre Skateboards über dem Abgrund schweben zu lassen. Doch die Höhe scheint auch an ihnen nicht spurlos vorbei zu gehen. Die Beine, die das Skateboard am äußersten Ende fixieren sollen, zittern so stark, dass das coole Poser-Foto dann doch nicht so cool wird. Ein paar Meter weiter hingehen ist jemand anscheinend sehr von seinen artistischen Fähigkeiten überzeugt, oder er möchte nicht mehr lange leben. Er macht Handstand. An der Klippe. 604 Meter über dem Fjord!

Ich bin so perplex und erstarrt, dass ich vergesse zu fotografieren.

Jana steht ein paar Meter weiter und macht dann doch noch das Foto, was ich verpasst habe. Handstand über dem Fjord. “Wie bekloppt kann man eigentlich sein?” frage ich mich noch, stelle dann aber erleichtert fest, das der lebensmüde Artist tatsächlich wieder sicher auf dem Boden des Felsens gelandet ist. Ich atme erleichtert durch.

 

Jana auf dem Preikestolen

Jana auf dem Preikestolen @NordNordNord.de

 

 

Nach einiger Zeit machen wir uns auf den Rückweg zum Parkplatz. Ich bin froh das niemand vom Fels gefallen ist. Wobei diese Angst nicht wirklich begründet ist. Denn der Preikestolen steht schon ewig in Norwegen, und noch ist niemand unbeabsichtigt herunter gestürzt. Das sagt man zumindest.

 

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